Die ganze Welt redet von Berlin

Kreative strömen seit Jahren in die deutsche Hauptstadt auf der Suche nach einem Lebensumfeld, das ihnen Platz zur Entfaltung ebenso bietet wie günstige Räume. Aber inzwischen ist aus dem Geheimtipp eine feste Größe geworden. Man könnte sagen, Berlin ist erwachsen geworden. 

Das Penthouse von Christian Boros und seiner Frau macht atemlos. Auf dem Dach eines ehemaligen Bunkers, der zum Kunstmuseum mutiert ist, findet man die Quintessenz des „New Berlin Interior Style”. Der Werber und Sammler und seine Gattin Karen bewohnen dort 470 Quadratmeter rundum verglaste Fläche, eingerichtet mit exzellentem Mobiliar. Beim Boros-Paar steht der Papa Bear von Hans Wegner unweit eines Couchtisches im Bali-Style. Das Who’s who der Mid-Century-Designer dominiert – sie sind bis dato unter Berlins Stilconnaisseuren immer noch „hot”.

„Die futuristisch denkenden Designer der Mid-Century-Modern-Ära verstanden es, Form und Funktion mit neuesten Materialien und Technologien zu verbinden und in zeitlose Entwürfe zu verwandeln. Von ihnen kann man viel über die Kunst des Weglassens lernen”, so die Galeristin Esther Schipper, in deren 240-Quadratmeter-Wohnung mit Stuckdecken in vier Metern Höhe und Parkettböden sich Möbel und Leuchten von Charles und Ray Eames, Alvar Alto, Charlotte Perriand, Gio Ponti, Hans Wegner und Finn Juhl finden. All das mischt sich beim neuen Berliner Stil mit einer gewissen ästhetischen DDR-Nostalgie.

DDR-Stil, das ist ein bisschen Panton-Fake, ein wenig hochbeinige Sitzmöbel im Stil von Arne Jacobsen und schlimme Schrankwände à la „Neckermann macht’s möglich”. Das sind blasse 70er-Jahre-Farben, pudrige Töne der Bauhaus-Farbpalette, die sich sogar auf dem Porzellan des Palastes der Republik wiederfanden. Der Stil ist geblieben, er hat sich perfektioniert. So wie in der Mode. Als in den frühen 2000ern der „Berlin Street Style” weltweit gefeiert wurde, war es ein Mix aus „Gar kein Geld”-Improvisation und „Das gönne ich mir”-Edeldesign. Unorthodox, eklektisch. Damals Poor Bohemian, heute New Bohemian. Der Fun-Faktor im Lebensraum ist dabei ungebrochen: Es darf – beinahe: muss – ausprobiert werden. Auch bei den Kreativen. Die Entwicklung von Büros wie Osko+Deichmann, Wunschforscher, Realities:united und e27 steht für den Stil der Stadt: vom rauen Experiment zum Stillabor. Mit erkennbaren Formeln.